Über Mistress Couple – Sie liebt Ballons und ist professionelle Domina im wohl ältesten BDSM Chateau

Erfahre mehr über den Lifestyle der sexpositiven Domina aus New York und warum der Ballonfetisch ihr Leben verändert hat

Schon oft bin ich gefragt worden, ob sich verschiedene Fetische untereinander verknüpfen lassen. Ja, ja und nochmals JA, lautet meine Antwort darauf! Natürlich und selbstverständlich geht das, und wenn man sich dem öffnet, so kann es das persönliche Sexleben ganz schön in Fahrt bringen. Wer natürlich auf vorhersehbaren Sex steht und Routine braucht, hey, völlig in Ordnung, Hauptsache glücklich, nicht wahr!?

Allen anderen eröffnet es aber völlig neue Möglichkeiten und Denkweisen, egal ob Weiblein oder Männlein. „Sexpositiv“ ist an dieser Stelle wohl das richtige Stichwort.

Zurzeit findet nun auch der Ballonfetisch immer mehr Einzug in andere Erotik- und Fetischbereiche und erfreut sich vieler neugieriger und aufgeschlossener Menschen. Das wohl beste Beispiel dafür, dass altes Schubladendenken in unserer heutigen Erotikwelt völlig unangebracht ist, ist die Domina Mistress Couple (31 J.) aus New York City. Sie verkörpert den sexpostiven Freigeist unserer heutigen Gesellschaft par excellence. Seit 2013 ist sie Keeper und Head Mistress im „La Domaine Esemar BDSM Training Chateau (Albany NY), welches eins der ältesten BDSM Chateaus weltweit ist. Beeindruckend ehrlich hat sie uns für LOONERS UNITED ein paar pikante Fragen beantwortet und siehe da, sie selbst ist kein Looner-Neuling. Aber ließ doch einfach selbst. Viel Spaß dabei!

 

Wie sieht Dein Alltag so als Domina aus? Hast Du überhaupt einen?

Mein Alltag hängt komplett davon ab, wer sich im Chateau aufhält und was für Events wir veranstalten. Manchmal bedeutet das Sklaven und Dominas anzuleiten und auszubilden, manchmal wilde Fetischparties vorzubereiten, manchmal Vorlesungen an lokalen Universitäten zu halten, manchmal Paare in ihrem BDSM-Spiel zu beraten, manchmal mache ich eins-zu-eins Fetischsessions und hin und wieder schließt mein Alltag völlig normale Dinge ein, wie z.B. einkaufen, kochen, Freunde treffen und entspannen! Zwischen all diesen Dingen ist es sehr wichtig, sich auch um sich selbst zu kümmern. Am besten kann ich entspannen, wenn ich beim Pilze sammle (essbare Pilze!), welche in den Wäldern rund um das Chateau wachsen.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Du eine Domina wurdest?

Ich startete im Chateau „La Domain Esemar“ als Sub im Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch überhaupt keine richtige Vorstellung was BDSM ist oder was es bedeutet eine Domina zu sein. Ich war ausschließlich daran interessiert meinen Masochismus zu erforschen und habe gar nicht realisiert, dass ich auch die Fähigkeit besitze dominant zu sein! Ich erinnere mich, dass ich bei meiner ersten La Domaine Party große Ehrfurcht vor den Dominas dort hatte. Sie wirkten alle so stark, so sexy und so furchtlos im Hinblick auf ihre eigene Sexualität. Noch beeindruckender war ihre Fähigkeit mich zu lesen. Es war, als wenn sie mich besser kennen, als ich mich selbst (mittlerweile weiß ich, dass sie meine Körpersprache und energetische Response gelesen haben). Es war unfassbar inspirierend ihre Stärke zu erfahren und mit ihnen zu interagieren. Nachdem ich zwei Jahre lang meine Unterwürfigkeit erforscht habe, bewarb ich mich für das Dominanz-Training-Programm im La Domain und wurde als „Mistress in Ausbildung“ akzeptiert.

Über die Jahre bin ich dann nach und nach in meine Dominanz hineingewachsen. Es brauchte Zeit, Selbstbetrachtung/Reflexion und die Aufklärung diverser Missverständnisse, sprich eine Erläuterung, was es überhaupt bedeutet dominant zu sein. Für mich ist eine dominante Person nämlich nicht kalt, grausam oder emotionslos, um ihre Dominanz und Selbstbeherrschung zu demonstrieren. Wenn mein Sub sich jedoch danach sehnt, dass ich mich in diese Rolle hineinbegebe, werde ich das in Betracht ziehen, aber das ändert dann nichts an meiner eigenen Person.

Ich bevorzuge es eine verspielte foppende Domina zu sein. Ich bin ebenso gefühlvoll, wie auch streng und verlange Höchstleistung von meinen Subs. Ich genieße es Spaß zu haben, wenn ich mit ihnen spiele, warum sonst sollte man es überhaupt ein „Spiel“ nennen? Mein Dominacharakter entwickelte sich über die Jahre und wird das sicher auch weiterhin tun, denn ganz egal wie man es dreht und wendet, Dominas sind auch einfach nur Menschen.

 

Erinnerst Du Dich an das 1.Mal als Du mit dem Ballonfetisch in Berührung gekommen bist? Wie kam es dazu und was waren Deine Gedanken?

Daran kann ich mich noch sehr lebhaft erinnern. Ich besuchte die „NYC Fetisch Tribe Party“. Damals war ich 23 Jahre alt und es war das erste Mal, dass ich solch ein Event besuchte. Während ich auf meine Freunde wartete, lief ich zunächst allein auf der Party herum und ließ mich von den unterschiedlichsten Szenarien berieseln. In den meisten Fällen handelte es sich um typische Szenen, wie Spanking, jemanden, der an der Leine herumgeführt wurde, Bondage etc….aber inmitten der Menschenmenge stand ein Gentleman, welcher sich BalloonHeadz nannte.

Er trug einen FurrySuit (ein Dalmatiner als Feuerwehrmann) und blies Luftballons auf, in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Meine Liebe für das Exzentrische war sofort auf Hochtouren, ebenso wie meine Neugierde. Ich bin zu ihm rüber gegangen und habe ihn gefragt, ob er mir seinen Fetisch etwas näher erklären könnte. Daraufhin blies er eine kristallklaren QUALATEX 11“ Ballon auf, bat mich meine Augen zu schließen, gab mir den Ballon in die Hand und sagte: „Was fühlst Du?“. Zu diesem Zeitpunkt ging es im Club schon richtig ab und ich fühlte die Vibration der Subwoofer durch den Ballon, ähnlich wie einen Puls. Ich lächelte. Er lächelte. „Siehst Du…der Ballon lebt“, sagte er. Ich werde nie das Funkeln in seinen Augen vergessen, als er das gesagt hat.

Er hat mich ermutigt damit zu kuscheln, mich draufzusetzen, zu hüpfen, den Ballon zu umarmen, zu küssen. All das habe ich getan, ohne zu wissen, wie viel Zeit dabei verging. Ich war angefixt! Als meine Freunde ankamen, war ich in einem Ballon (ca. 6`Diameter) und vergnügte mich mit weiteren Ballons, welche zusammen mit mir den Weg in das Innere des Ballons fanden. Sie waren ziemlich überrascht, aber für mich gab es ab diesem Zeitpunkt kein zurück mehr! BalloonHeadz und ich verbrachten danach viel Zeit miteinander. Er versorgte mich und meinen Anfängervorrat mit vielen verschieden Formen und Stilen an Ballons und fütterte meinen Ballonfetisch, bis ich es mir leisten konnte, selbst welche zu kaufen. Außerdem hatten wir auch ein paar legendäre Ballonkämpfe im Central Park | NYC.

„Ballonkämpfe“? Das klingt legendär, erzähl ein wenig mehr davon!

Diese Ballonkämpfe machten auf jeden Fall eine Menge Spaß. Jeder hatte eine Auswahl an verschiedenen Luftballons dabei, welche an Schnüren befestigt waren. Punkte gab es jeweils dann, wenn man den Anderen mit seinen Ballons berührte oder die, des Anderen, zum Platzen brachte. Üblicherweise verloren wir den Punktestand schnell aus den Augen, da wir einfach nur noch lachen konnten und schlussendlich fanden wir uns dann in einem Haufen voller Ballonfetzen wieder.

 

Kommen wir nochmal auf Deine erste Ballonfetisch-Erfahrung zurück? Wie genau war das für Dich?

Es war einfach unglaublich. Als eine bildende Künstlerin haben mich besonders die Farben und Formen angesprochen. Als eine sinnesbezogene Person haben mich die Textur und der Geruch des Latex berauscht. Als eine Sadistin war die Möglichkeit die Ballons zum Platzen zu bringen, sehr verführerisch. Aber am aller Wichtigsten war für mich, als eine Überlebende von sexuellem Missbrauch, dass Ballons mich befähigt haben, mit etwas intim zu sein, ohne Angst und Furcht zu spüren, welche leider durch Menschen ausgelöst werden können. Die Tatsache, dass ich die komplette Kontrolle über meine sexuelle Erfahrung mit dem Ballon hatte, war extrem heilsam für mich und hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass ich heute wieder dazu in der Lage bin, Geschlechtsverkehr mit anderen Menschen zu haben.

Was genau liebst Du an Ballons? Was genau bevorzugst Du? Auch im Bereich Ballontyp und Marke?

Die Frage sollte wohl eher lauten, was mag ich NICHT an Ballons?! Über alles liebe ich die Farben, das Material, den Geruch. Ich liebe die Vorfreude vor dem Platzen, es ist tatsächlich immer eine Überraschung! Seit Neustem bin ich sehr interessiert an Ballon-Bondage oder Ballonkleidung, welche aus Modellierballons gemacht werden. Sie sind unfassbar biegsam und doch überraschend fixierend. Vor allem liebe ich aber Riesenballons. Je größer und bounciger umso besser! Was Marken betrifft, stehe ich auf QUALATEX und BALLOONS UNITED. Ich bin extrem verliebt in die unterschiedlichen und lustigen Formen, wie z. B. Enten und Hasen, welche es bei BALLOONS UNITED gibt. Meine neuen Ballonfreunde sind total verrückt danach!

 

Jetzt mal eine ganz persönlich Frage, was macht Dich so richtig an? Hast Du selbst einen eigenen besonderen Fetisch?

Ich habe ein Vielzahl an Vorlieben, aber ich muss zugeben, dass mich alles, was exzentrisch, bunt und verrückt ist, total anspricht. Ich liebe besonders Vore/Femcan, Rollenspiele, Sploshing/Wet und Mess Play, Pony Play und andere Formen des Pet Play. Als professionelle Domina bin ich auf Impact Play spezialisiert, ebenso wie auf Slave Protocol Training und benutzte überwiegend Lederpeitschen und Flogger. Aber vor allem genieße ich die Connection. Die unterschiedlichen Arten des Spiels und der Einsatz der verschiedenen Geräte sind lediglich Werkzeuge, welche ich benutze, um die Beziehung zu den Menschen zu verbessern, mit welchen ich intim werde. Am Ende des Tages wollen wir doch einfach alle mit unseren Vorlieben und Fetischen wahrgenommen, sowie akzeptiert werden und diese mit jemandem teilen ohne dafür verurteilt zu werden. Wenn ich das Jemandem bieten kann, dann habe ich das Gefühl, dass es eine produktive und befriedigende Fetischsession war.

Ich kann mir vorstellen, dass Du mit sehr vielen unterschiedlichen Fetischen und vielen inspirierenden Menschen in Berührung kommst. Was war denn Deine bisher aufregendste Erfahrung? Bereust Du etwas? Oder gibt es etwas, was Du in Zukunft unbedingt noch ausprobieren möchtest?

„Schwanendreher“ ist eine alte Deutsche Bezeichnung für eine Person, welche einen Schwan kocht, während dieser über offenem Feuer auf einem Spieß drehend gebraten wird. In der Fetischwelt, die Welt des Rollenspiels, bezeichnet dies eine Art kanibalistisches Ritual, bei welchem ein Mensch geröstet wird. Andere Bezeichnungen sind auch „Dolcett“ und „Chefkoch“ für entsprechende Fantasien. Seit meinem ersten Besuch im La Domaine Esemar bin ich fasziniert von dem Schwanendreher Fetisch. Während meiner Tour durch das Gelände war ich perplex und gleichzeitig erregt, als ich den gigantischen Spieß in der Nähe der Feuerstelle im Garten des Chateaus entdeckte. Kochen sie denn tatsächlich Menschen hier??? Staunend und ehrfürchtig hörte ich dem damaligen Head Master R und Mistress Collette´s Erzählungen über vergangene Röstungen an.

Tatsächlich war es vor Kurzem so weit und ich war bei der Röstung zweier Opfer dabei und wurde auch selbst geröstet! Wenn Du jetzt neugierig bist und noch mehr darüber wissen willst, dann findest Du mich auch bei Fetlife oder schau doch einfach auf dem Blog meiner Webseite vorbei. Jede Röstung war eine extrem einzigartige erotische Erfahrung. Ich hoffe, dass ich nächsten Sommer eine weitere Röstung als theatralisches Ritual veranstalten kann. Es gehört mehr und mehr zu den beliebtesten Veranstaltungen, welche wir im La Domaine veranstalten! Dieses Jahr findet leider keine statt (uns fehlt ein Opfer) und wir haben zahlreiche Beschwerden bezüglich des Ausfalls erhalten.

Als Frau, welche in der Erotikbranche arbeitet, hattest Du jemals mit einer schwierigen oder herausfordernden Situation zu kämpfen? Was wünscht Du Dir für unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht?

Sessions mit konservativen Klienten sind für mich eine große Herausforderung geworden, seitdem Donald Trump im Amt ist. Auf der einen Seite möchte ich nicht von Menschen sexualisiert werden, welche durch ihre Stimme für Trump meine Rechte wegnehmen oder zumindest beeinträchtigen. Auf der anderen Seite ist es eine effektivere Form des Widerstandes, wenn ich ihre Bezahlung dafür nutze, es an farbige und homosexuelle Menschen weiterzugeben, insbesondere an meine Arbeitskollegen und diejenige, welche stark unter der Regierung zu leiden haben, anstatt entsprechende Sessions einfach abzulehnen. Das ist ein zweischneidiges Schwert.

Vor allem hat meine Karriere als Domina mich dazu ermutigt an die weibliche Vorherrschaft zu glauben. Ich bin eine Feministin, ich unterstütze den Rückgang weißer männlicher Patriarchate und die damit zugrunde liegende Frauenfeindlichkeit und Engstirnigkeit.

Hast Du bestimmte Pläne für die Zukunft, welch Du gerne mit uns teilen würdest?

In meinem Leben ist einfach zu viel los, da macht es keinen Sinn, länger als eine Woche, im Voraus zu planen. Aktuell bin ich mit ein paar Text- und Filmprojekten beschäftigt und hoffe bald eine Tour durch Europa zu machen, als bleibt einfach dran! 

5 Antworten
  1. fich
    fich says:

    Ein sehr ansprechendes Interview. Misstress Couple gibt da doch einen sehr plastischen, anregenden Einblick in den Bereich des BDSMs und wie sich dort Fetische ausleben lassen. Schön finde ich auch die Geschichte, wie sie von Balloonheadz angeloont worden ist. Zwischen den Zeilen steht etwas sehr Wichtiges für Looner auf Spielpartnerinnen- Suche: meistens macht es Frau wie Misstress Couple mehr an, wie wir Männer abgehen, unser Leuchten in den Augen, als das Konkrete Fetischobjekt zu traktieren. Dass sie als Switcherin als Domse arbeitet, warum auch nicht. Überhaupt ist es sehr erfrischend im Vergleich zum oft auftauchenden ligyrophpbisch- soziophobischen Loonen im stillen Kämmerlein wie Menschenkenntnis, Körpersprache und energetische Antworten im Verhalten hier als Werkzeuge mitreißendem Fetischspiels dargestellt werden. Die Ballonkämpfe im Park stelle ich mir doch sehr anregend vor. Und wieder einmal hebt sich Fetische ausleben angenehm vom nur im Internet Surfen ab. Es ist natürlich schade, dass viele so genannte Looner ihren Fetisch eher zwanghaft als sauber abgrenzen als dass sie die Möglichkeiten wie Balloonheadz nutzen, welche BDSM bietet. – Und das Rösten? Wer darauf steht, ausgeliefert zu sein und an eigenem Schmerz seine Freude hat, wird wohl Spaß haben … alle anderen haben etwas zu gucken. Und da ist Ballonfetisch auch unschlagbar…

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  2. Alex
    Alex says:

    Ich würde ja sagen „Wasses nich alles gibt!“ aber da ich schwer zu beeindrucken bin bin ich nicht überrascht ^^
    Ich frage mich nur wie Ihr an bzw auf sie gekommen seid…
    Ich meine, ich durchforste auch ständig das Netz nach neuen Persönlichkeiten die mit Ballons zutun haben aber kenne sie gar nicht.
    Dann schon eher DOMINA ELLE. Sie ist (weiß es gar nicht mehr genau) glaube Anwältin im bereich SEX oder Psychologin oder so. Sie hat damals auf Youtube relativ viele Videos gemacht die recht anregend waren weil sie auch keinerlei Probleme hatte in der Öffentlichkeit damit aufzutreten.

    Ich fand den Teil im Artikel cool als Sie erzählt hat wie sehr sie auf die Dinger steht bzw wie schnell sie gemerkt hat was sie mit Luftballons noch so anstellen kann 😀

    Antworten
    • Maggy BerLoon
      Maggy BerLoon says:

      Hey Alex,
      sie hat vor einiger Zeit bei uns Ballons gekauft und zu uns Kontakt aufgenommen 😉 Ich bin immer happy, wenn ich neue Leute aus der Szene kennenlerne oder aber Menschen ganz neu dazukommen und den Fetisch für sich entdecken.
      Zugegeben, ich selbst war ehrlich gesagt auch ein wenig verwundert, dass sie in der Loonerwelt noch nicht so bekannt ist, obwohl sie schon ein Weilchen am Start ist. Da sie unfassbar interssant und inspierend ist, ist es höchste Zeit, dass sich das ändert 🙂

      Antworten

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