Ballonfetisch? Wie sage ich meinem Partner, dass ich ein Looner bin?

Bereits unzählige Male wurde ich in der Vergangenheit gefragt: „Maggy, wie sage ich meinem Partner, dass ich einen Fetisch für Ballons habe?“. Ich bin zwar keine Paartherapeutin oder eine entsprechende Expertin in diesem Bereich und kann erst recht nicht DIE EINE Lösung oder Anleitung präsentieren. Ich will aber versuchen Euch ein paar Denkanstöße und kleine persönliche Tipps zu geben und in erster Linie möchte ich Euch einfach nur Mut machen.

Wo ist die Ursache?

Die Frage ist doch: Woher kommen diese Hemmungen und Schwierigkeiten mit seinem Fetisch offen umzugehen? Ist es die Angst vor Zurückweisungen? Die Angst vor dem Alleinsein? Geringes Selbstvertrauen? Das könnte alles eine Erklärung sein, aber sicherlich ist es im Endeffekt ganz individuell und viele Faktoren können eine Rolle spielen. Was ich damit sagen will? Jeder, der sich irgendwie angesprochen fühlt, sollte einfach mal darüber nachdenken, wo die eigenen Hemmungen herkommen. Wenn das „Problem“ einmal erkannt ist, fällt es vielleicht leichter einen Weg zu finden.

Liebe Dich selbst und finde Deinen eigenen Weg

Klar ist es jedem selbst überlassen, wie offen man mit seiner Vorliebe umgeht und ob und mit wem man darüber redet. Schließlich ist es das Intimste überhaupt.

Solange man für sich selbst einen Weg gefunden hat mit dem Thema umzugehen und damit glücklich und zufrieden ist, wunderbar. Ist dem aber nicht so, dann sollte man daran etwas ändern. So einfach ist das. Freunde, Ihr lebt nur einmal, also verschwendet nicht Eure Zeit, sondern geht das Risiko ein glücklich zu werden. Dafür ist man in 1.Linie selbst verantwortlich. Fang an Dich selbst und Deinen Fetisch zu akzeptieren und wertzuschätzen. Mit jemandem darüber zu sprechen kann ein ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

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TRAU DICH und warte nicht zu lange

Der richtige Augenblick soll es sein? Quatsch, sage ich dazu! Denn wie sieht der „richtige Augenblick“ überhaupt aus und ist es nicht eigentlich nur eine innere Entschuldigung das Ganze immer weiter verschieben zu können? Ich denke, dass der perfekte Augenblick eine Illusion ist. Denn es kommt immer nur auf die eigene Sichtweise an und wenn man möchte, findet man doch an Allem immer irgendetwas zu meckern.

Also warte nicht auf den perfekten Moment. Die Gefahr ist viel zu groß, dass in der Zwischenzeit Wochen, Monate, womöglich sogar Jahre vergehen könnten, was einer ehrlichen Beziehung sicher nicht gut tut und ihr womöglich sogar schaden könnte. Denn stell Dir doch einfach nur mal folgende Situation vor: Du bist mit Jemandem schon längere Zeit zusammen und glaubst eine innige und ehrliche Beziehung zu führen, geprägt von gegenseitigem Vertrauen. Also alles tiptop, alles wunderbar. Dann erfährst Du zum ersten Mal vom Fetisch Deines/r Partners/in. Wie würdest Du Dich fühlen?

Also ich für meinen Teil wäre hart überrascht, schockiert und wahrscheinlich auch etwas sauer. Am meisten wäre ich aber traurig. Traurig darüber, dass mein Partner, von dem ich glaubte, ihn 100% zu kennen, mir seine innersten Gefühle nicht anvertraut. Das würde ein Loch in unsere Beziehung reißen, was es dann zu flicken gilt. Klar, kein Ding, der Unmöglichkeit, das kann man alles hinkriegen, aber es geht auch anders. Solch eine Situation lässt sich ganz einfach vermeiden, wenn man frühzeitig miteinander spricht.

DER oder DIE Richtige!?

Dem Partner von dem eignen Fetisch zu erzählen, ist das Intimste überhaupt. Das ist es ein riesengroßer Vertrauensbeweis, was zwei Menschen viel näher bringen und zusammenschweißen kann. Ich erinnere mich noch gut daran als Jan sich mir offenbart hat. Ich war unglaublich gerührt und habe mich noch viel viel mehr in ihn verliebt und das nicht, weil ich den Fetisch so geil fand (Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht viel damit anfangen. Ich hatte noch nie etwas vom Ballonfetisch gehört und wusste auch nicht, wie ich mal dazu stehen würde). Ich wusste es einfach nur sehr zu schätzen, dass er mir so vertraute und sich mir öffnete. Ob man den Fetisch dann zusammen auslebt, ob man ihn einfach nur mal ausprobiert oder ob man gemeinsam eine andere Möglichkeit findet, das ist jedem selbst überlassen und kann ganz unterschiedlich sein. Das aller Wichtigste ist doch, dass man sich gegenseitig akzeptiert und RESPEKTIERT. Mit seinen Stärken, seinen Schwächen, seinen Macken und seinen Vorlieben.

Ja, das mag für den Ein oder Anderen womöglich ein wenig kitschig und träumerisch daherkommen, mir Wurscht, ich glaube an die wahre Liebe, in welcher Form sie auch immer daherkommen mag. Vielleicht denkt sich jetzt auch so Mancher: „Und was ist, wenn es nicht so abläuft? Wenn eine negative Reaktion kommt!? Und so weiter und so fort???“ Ja Freunde, was ist denn dann? Auch wenn es im ersten Augenblick eine niederschmetternde Erkenntnis ist, dann ist es schlicht und einfach vielleicht nicht DIE oder DER Richtige. Da fällt mir nur Folgendes zu ein: Wenn Du es nicht probierst, wirst Du auch nie wissen wie es ausgeht und Dich vermutlich für immer fragen was gewesen wäre. Hinterher ist man doch immer schlauer.

Kennst Du die Vorliebe Deines Partners? Nachzufragen is ein guter Einstieg in das Sexthema…

Zugegeben, ich selbst hatte damals so meine Schwierigkeiten mich mit meiner eigenen Sexualität auseinanderzusetzen und mich selbst wertzuschätzen. Als Jan mir mit zittriger Stimme von seinem Ballonfetisch erzählte, wusste ich das nicht nur sehr zu schätzen, sondern es machte mir Mut dasselbe zu tun. Nämlich mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, zu akzeptieren und meine Bedürfnisse zu kommunizieren. So haben wir uns zusammen zu den offenen Menschen entwickelt, welche wir heute sind und die Entwicklung wird sicherlich ein Leben lang weitergehen. In welche Richtung wird sich dann zeigen.

Zusammengefasst will ich damit sagen, dass es weniger darum geht „sich seinem Partner zu outen“, sondern eher darum das gemeinsame Sexleben zu thematisieren und sich gemeinsam damit auseinanderzusetzen. Womöglich machst Du Dir viel zu viele Gedanken über Dich selbst und Deinen Fetisch, denn vielleicht schlummert da auch etwas im Innersten Deines Partner, von dem Du nichts weißt. Schonmal darüber nachgedacht? Das kann übrigens ein sehr guter Einstieg in solch ein Gespräch sein: frag Deinen Partner doch einfach mal! Frag sie oder ihn, ob es etwas Spezielles gibt worauf sie/er steht, was sie/er gut findet oder ob es etwas gibt, was sie/er mal ausprobieren möchte. Ist man einmal im Thema drin, so ist es Deine Chance Dich auch zu öffnen. Naja und dann warte einfach mal ab, was passiert. Kommt ein komischer Blick, ein doofes Wort oder was auch immer, lass Dich davon nicht verunsichern. Überraschte Reaktionen können ganz unterschiedlich aussehen und sagen noch nichts darüber aus, wie man wirklich zu dem Thema steht. Viel wichtiger ist doch, wie ihr langfristig miteinander umgeht.

Kopf aus. Reden. Und einfach mal machen.

Es geht weniger darum jemanden von etwas zu überzeugen oder sich gegenseitig aneinander anzupassen bis man zu einer Kopie voneinander wird. Sondern vielmehr darum, dass Ihr euch gegenseitig und auch selbst kennenlernt und respektvoll miteinander umgeht und klar: dass der Partner versteht, dass diese Vorliebe ein Teil von Dir ist und man so etwas nicht einfach an- und ausschalten kann. Alles Weitere entwickelt sich dann schon von ganz allein. Wichtig ist, dass Du so mit Deinem Partner umgehst, wie Du es Dir auch von ihr/ihm wünschst: verständnis- und respektvoll. Gib ihr/ihm Zeit, falls sie/er diese braucht und setzte sie/ihn nicht unter Druck. Mach ihr/ihm aber auch Deine Bedürfnisse klar und sprich offen und ehrlich darüber. Erzähl Deinem Partner von Deinen Gefühlen und Deinen Ängsten, so banal sie für Dich auch sein mögen. Denn wer nicht redet, dem kann auch nicht geholfen werden.

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So ist es wahrscheinlich bei allen Dinge, das Wichtigste ist: reden, reden, reden, gemeinsam einen Weg finden und gleichzeitig keine großen Erwartungen haben (Ich weiß, dass ist manchmal einfacher gesagt als getan). Probiert euch aus, seht es als Experiment, wenn ihr etwas Neues testet und schaut nachher ob es cool war oder nicht. Das kann ein lebenslanger Prozess sein und womöglich ändern sich auch Dinge/Sichtweisen/Bedürfnisse  hier und da mal im Laufe der Zeit (so ist es zumindest bei mir und Jan). Also einfach mal machen und nicht zuuuuu viel drüber nachdenken, denn liebe Leute:

Es sind doch NUR LUFTBALLONS!!! Harmlos.

Zum Abschluss muss ich noch einen Satz loswerden, welcher mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Dieser ist mir vor kurzer Zeit begegnet und wie ich finde, passt er an dieser Stelle wunderbar:

Sei verrückt. Sei komisch. Sei einzigartig. Sei einfach wer Du bist. Denn Du weißt nie, wer die Person lieben würde, welche Du versteckst.

Ende und AUS.

 

8 Kommentare
  1. fich
    fich sagte:

    Hallo Leute,

    nachdem ich mich vor gut neun Jahren bereits mit dem Thema beschäftigt habe, sehe ich noch weitere Aspekte.

    Wertschätzenden Umgang mit sich selber und dem Fetisch … bei vielen Loonern stellt sich nicht die Frage, wie man es der Partnerin sagt, sondern wie Looner ohne Selbstvertrauen, die ihren Fetisch ausschließlich allein ausleben und sich allenfalls im Internet anderen Menschen öffnen, überhaupt eine Partnerin finden. Welche Frau will schon jemanden, der keinen gesellschaftlichen oder beruflichen Erfolg vorweist, sich in unseriösen Internetforen herumtreibt und obendrein mit einem Fetisch auf merkwürdige Art umgeht?

    Beziehung ist nicht Beziehung … wenn es schon so ist, dass eine Beziehung ohne Erotik zustande gekommen ist, indem ein Looner nicht seinen Fetisch auslebt, stellt sich die unbequeme, aber wesentliche Frage: ist die Beziehung es überhaupt es wert, einem Frauenzimmer so eine gefährliche Waffe in die Hand zu drücken? Ich erinnere mich an einem Fall, wo eine Frau jahrelang Fetischspiele mitmachte, aber als sie verdientermaßen den Laufpass bekam, ringsherum bei Bekannten und Verwandten den Ex als Perversling verfehmte. So etwas muss nicht sein. – Deshalb sollte auch stets die Option bewusst sein, einem Frauenzimmer auch einen Laufpass zu geben, wenn man ohnehin sich in einer unzureichenden Beziehung befindet. Und sich dann eine Partnerin suchen, mit der man sich ausleben kann.

    Antesten … wichtig ist auch, dass man die Reaktion einer Frau auf Luftballons antestet. Bei einer unpassenden, ablehnenden Reaktion ist es leichter, sich von dem Frauenzimmer zu trennen, die definitiv nicht die Richtige ist. Ist die Reaktion ok, kann man sich Schritt für Schritt den Thema nähern.

    Problem ist insgesamt weniger, wie man es der Partnerin sagt … wobei der Part wichtig ist, wie Maggy es schildert, dass so etwas nach jahrelangem Nicht- Gestehen das Vertrauen der Partnerin heftig erschüttert … sondern dass man sich doch bitte bewusst werden soll, was einem wirklich Spaß bereitet, bevor man Jahre an die falsche Frau verschwendet. Und gleichzeitig auch neben einem gesunden Selbstbewusstsein die nötige Attraktivität aufzubauen, damit man nicht von einer Frau abhängig wird, mit der man sich nicht ausleben kann.

    Gruß
    fich

    Antworten
  2. Olafat Husten
    Olafat Husten sagte:

    Hallo liebe Leute.
    Tolles Thema und …natürlich ^^ gute Sichtweise. – wie gewohnt 😉

    Also ich habe keine Partnerin der ich es sagen kann. Aber!… Ich habe seit einem Jahr eine beste Freundin. Sie redet gern über Sex und so und da wir und so gut verstehen habe ich irgendwann auch mal erwähnt das ich auch einen Fetisch habe. Sie wollte natürlich wissen was für einen ^^
    Damals hatten wir gerade unsere Geburtstage hinter uns (nur 2 Tage auseinander) Und von der Feier lagen bei mir -natürlich- nich Ballons rum. Mit denen haben wir auch zuvor ganz normal gespielt. Wie du schon sagtest “Es sind nur Luftballons!“
    Also wir auch immer an dem Abend saßen wir bei mir und haben bissel was getrunken und kamen ebm wieder auf das Thema worauf sie steht und ich und wer welche Erfahrung gemacht hatte bla bla.
    Dann habe ich erwähnt worauf ich stehe und zeigte auf die Ballons. Sie natürlich erstmal so “hä?“ und dann fing ich an (gefühlt) alles mit einem Satz zu erklären. Ich wollte ihr erzählen wie es anfing und dass die Szene immer größer wird und wo ich immer bestelle. Das man auf ihnen sitzen und liegen kann, welche Farbe ich gut finde und wie günstig und harmlos die sind.
    Ebm komplett aufgeregt habe wohl alles durcheinander erzählt und hatte hinterher das Gefühl dass sie gar nix verstanden hat.

    Ich hatte ihr auch von deiner Vorliebe erzählt sich als Frau auf einen Ballon zu legen und der Partner kommt von hinten… (sorry^^)
    Natürlich hatte ich im Schlafzimmer noch einen Riesen versteckt. 1.20 groß oder so.
    Den hab ich ihr auch gezeigt. Sie hat sich auch kurz drauf gelegt und ein bisschen gewippt =)
    Aber mehr ist dann da nicht passiert. Wir haben dann noch gequatscht und dann ist sie gegangen.
    Danach war ich so unsicher wie selten zuvor. Ich sprach sie per Whatsapp nochmal drauf Ahn aber sie hatte das Thema schon bei Seite gepackt (ohne negativ oder positiv darüber zu urteilen)

    Aber ich wollte am Ende unbedingt wissen wie sie darüber denkt. Bin ich jetzt ein Spinner oder Freak für sie?

    Ich hatte anschliessend immer wenn Sie kommt alle Ballons versteckt so das ich sie nicht damit konfrontiere. Aber sie meinte es ist ihr egal. Es stört sie nicht und von daher brauche ich nix verstecken.

    Das fiel mir anfangs noch schwer – diese blöden Gedanken immer xD –
    Mittlerweile kann ich damit sehr gut umgehen und bin auch manchmal auf ihre Reaktion gespannt.
    Grade heute habe ich ihr einen neuen “vorgestellt“ =D
    Den Gl 500.
    Sie so “der ist ja coool! So lang und…rund dE“

    Also alles easy bei uns.

    Ok sie ist nicht meine Partnerin, aber dadurch habe ich gelernt noch besser damit umzugehen und ich denke ich habe dadurch weniger Schwierigkeiten es meiner Freundin zu erzählen – wenn ich dann eine habe.
    Das ist allerdings in Arbeit =)
    Sie kommt am Freitag vorbei, vielleicht wird daraus ja mal was.
    Da werden aber alle Ballons weichen. Sonst rennt sie gleich weg.

    Keine Ahnung ob es für euch eine Hilfe ist…Ist nur meine Erfahrung.

    Viel Glück und Mut allen die es noch vor sich haben. Breitet es eventuell ein wenig vor das ihr nicht alles so durcheinander werft wie ich.

    Bin raus

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